Präsentation Branchenreporte Taiwan, Hongkong und Korea
Chancen für österreichische Nahrungsmittelexporteure in Taiwan, Hongkong und Korea
1. Taiwan
Taiwan ist eine dicht besiedelte Insel mit einer Fläche von 35.801 km² und 23 Mio. Einwohnern. Die Insel hat eine sehr gute Infrastruktur und das Wirtschaftswachstum betrug 2010 10,8 %. Taiwan ist kein Billiglohnland mehr und das Prokopfeinkommen liegt über dem EU-Durchschnitt. In Taiwan ist es üblicher und oft günstiger auswärts zu essen als zuhause zu kochen. Essen und Trinken sind überall und rund um die Uhr erhältlich. Europäische Waren gelten als qualitativ hochwertig und teuer.
Taiwan ist in der Lage sich bis auf wenige Ausnahmen selbst zu versorgen. Nur 35% der Nahrungsmittel werden importiert, Tendenz steigend. Frische Lebensmittel haben einen hohen Stellenwert. Tiefkühl- und Mirkowellenprodukte fanden in der Vergangenheit nur wenig Anklang. Die Familien in Taiwan werden jedoch immer kleiner und die Zahl der Singlehaushalte steigen. Daher glauben Branchenkenner an ein großes Wachstum bei Gefrier- und Biokost.
Europäisches Essen wird oft als zu süß oder zu salzig empfunden, die Grundernährung ist nach wie vor traditionell asiatisch.
Bei den Nahrungsmittelprodukten gibt es große Konkurrenz, es braucht viel Marketing, wichtig sind die aufwendig gestalteten Verpackungen. Die meisten Lebensmittel werden bei der Einfuhr hoch besteuert z.B. Fleisch, Reis und Fruchtsäfte.
Österreichischer Wein ist als Nischenprodukt in Weingeschäften möglich, nicht in Supermärkten, wo die Preise für Wein unter 10 € betragen.
Für den Import ist ein engagierter, lokaler Partner nötig.
2. Hongkong
Hongkong ist ebenfalls dicht besiedelt, auf 1.108 km² leben rund 7 Mio. Menschen.
Aufgrund der limitierten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche müssen 95% der Nahrungsmittel (Rohstoffe, Fertig- und Halbfertigwaren) importiert werden. Es gibt keine strengen Importbestimmungen, keine Zölle und Steuern. Hongkong ist die teuerste Stadt der Welt, da es sowohl für Wohnungen als auch in den Regalen der Kaufhäuser an Platz mangelt und die Mieten sehr hoch sind.
Der Lebensmittelmarkt wird zu 80% von 2 Supermarktketten beherrscht, für neue Ketten ist der Markteintritt kaum möglich, wird ein Produkt von einer der Ketten aufgenommen, wird es dafür aber sehr weit verbreitet.
Größter Lebensmittelimporteur mit 20% ist China, diese Importe gehen aber auf Grund der Lebensmittelskandale (z.B. Babynahrung) zurück. Für österreichische Unternehmen ist der Lebensmittelmarkt daher ausbaubar, es gibt steigendes Interesse an organischen Lebensmitteln (= hochwertige Produkte, jedoch nicht biologisch).
Der Großteil der österreichischen Lebensmittelimporte ist Fleisch, das über Hongkong auch weiter nach China verkauft wird, da es zwischen Hongkong und China ein Freihandelsabkommen gibt, wodurch die hohen Zölle auf Fleisch beim direkten Import nach China vermieden werden können – ebenso bei Wein.
Auch hier ist ein lokaler Vertriebspartner empfehlenswert. Selbst wenn man einen Regalplatz kauft, wird das Produkt aber entfernt, wenn es sich innerhalb von 2 bis 3 Monaten nicht verkauft. Auf Grund des Platzmangels gibt es keine aufwendigen Verpackungen. Nachfrage besteht für frische Lebensmittel, nicht für Dosen- und Tiefkühlware.
3. Korea
Südkorea hat eine Gesamtfläche von 99.392 km² und es leben etwa 50 Mio. Einwohner in Korea, etwa die Hälfte davon im Großraum der Hauptstadt Seoul.
Heuer tritt das Freihandelsabkommen zwischen EU und Korea in Kraft, für die meisten Produkte fallen damit die Zölle und Abgaben (bisher von 250% z.B. für Senf, bis zu 600% z.B. für alkoholische Getränke). Auch Energydrinks, die derzeit nicht importiert werden dürfen, sind dann erlaubt. Es ist kein Ursprungszeugnis mehr nötig, für Importe über 6.000 € ist eine Registrierung als „ermächtigter Ausführer“ nötig, unter 6.000 € reicht eine Erklärung des Importeurs.
Derzeit werden aus Österreich vor allem Schweinebäuche (37 Mio.) eingeführt. Im Gegensatz zu Schweinsfilets werden diese in Korea als hochwertiges Produkt angesehen und hauptsächlich an Restaurants verkauft.
Durch die hohe Bevölkerungsdichte gibt es nur kurze Verteilungswege. Hier wird ebenfalls ein lokaler Vertreiber empfohlen, allerdings gibt es auch Potenzial für den Direktvertrieb. Es gibt in Korea ca. 10 Kaffeehausketten, die daneben Geschenke und andere Produkte (österreichische Marmelade, Kren, Gurkerl) vertreiben und an neuen Produkten interessiert sind.
Natürliche Produkte liegen im Trend, auch hier reichen normale österreichische Produkte, Bioprodukte gehen über die Erwartungen hinaus. Wein kann wie in Taiwan als Nischenprodukt verkauft werden.
16.06.2011, Lebensministerium III/1




