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Statistik Austria, FV der Lebensmittelindustrie
Foto: Statistik Austria,...

Zukunftsmarkt USA – Chancen und Risiken 2011

Im Jahr 2010 wurden österreichische Agrarwaren, Lebensmittel und Getränke der Zollkapitel 1 bis 24 mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 7,7 Mrd. € erfolgreich in über 180 Länder der Welt exportiert.

Die Steigerung der Exportquote der österreichischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft von 12 % im Jahr 1995 (EU-Beitritt Österreichs) auf über 40 % im Jahr 2010 unterstreicht eindrucksvoll die Erfolge der österreichischen Unternehmen auf den Auslandsmärkten (die Exportquote der Unternehmen der österreichischen Lebensmittelindustrie liegt bereits bei über 60 %!). Mit Qualität und Genuss „Made in Austria“ haben sich die österreichischen Exporteure als gern gesehene und geschätzte Botschafter des guten österreichischen Geschmacks bereits auf zahlreichen Auslandsmärkten etabliert.
Zu den wichtigsten Exportdestinationen Österreichs im Agrarbereich zählen Deutschland, Italien und Ungarn. Neben den europäischen Ländern gewinnen aber gerade die Überseemärkte immer mehr an Bedeutung für die österreichischen Exporteure von Agrarwaren, Lebensmitteln und Getränken. Im allgemeinen Länderranking liegen die USA bereits an der 4. Stelle.
Andere wichtige Überseedestinationen wie Japan (56,6 Mio. € Agrarexportvolumen 2010v), Südkorea (40,4 Mio. €) und Australien (37,0 Mio. €) liegen mit Abstand hinter den USA. Mit einem Exportvolumen in Höhe von 355,3 Mio. € im Jahr 2010 sind die USA für Österreich damit auch weiterhin der wichtigste Überseemarkt.
Dieses erfreulich hohe Exportvolumen in die USA ist primär den Energy-Drinks (Red Bull) zu verdanken, die für fast 90 % dieses Exportvolumens verantwortlich sind. Die verbleibenden 39,4 Mio. € entfallen auf Exporte von Wein (7,4 Mio. € Exportvolumen 2010), Schokoladenwaren (6,6 Mio. €), Käse (3,4 Mio. €) usw.
Die Bearbeitung des US-Marktes geht mit höheren Risken einher als jene traditioneller Märkte in Europa. Die richtige Einschätzung der Stärken und Schwächen der österreichischen Exporteure mit US-Fokus sollen aber mittel- bis langfristig eine erfolgreiche Bearbeitung des US-Marktes garantieren.
Der hohe technische Standard, die Qualität und Sicherheit österreichischer Agrarwaren, Lebensmittel und Getränke sowie die intakte Natur Österreichs mit einer hohen Rohstoffqualität sind wichtige Voraussetzungen für den Erfolg österreichischer Exporteure auf Drittlandsmärkten. Diese Stärken, gepaart mit dem guten Österreich-Image in den Bereichen Umwelt, Kunst, Kultur, Sport, Wellness, Bio und Genuss, sind vielen Lebensmittelhändlern auch in den USA ein Begriff. Österreichische Exporteure von Agrarwaren, Lebensmitteln und Getränken haben daher mit Spezialitäten, die das typische Österreich-Image vermitteln, gute Chancen auf dem US-Markt Fuß zu fassen und dort neue Liebhaber für unsere österreichischen Spezialitäten zu gewinnen. Typisch österreichische Spezialitäten, die in einen kulturellen Zusammenhang gestellt werden (z.B. Mozartkugeln, Mozartlikör usw.), heben sich ab und genießen auch in den USA hohe Wertschätzung. Neben der Qualität sind auch Natürlichkeit und Reinheit wesentliche Attribute, die mit Produkten aus Österreich assoziiert werden (z.B. bei Süßwaren, Produkte der österreichischen Mehlspeisküche, Lebensmittelzubereitungen mit Convenience-Charakter oder eine Vielzahl an Snack-und Bioprodukten, die auch dem US-Trend zu gesunder Ernährung entsprechen!).
Die Bearbeitung des US-Marktes ist aber für viele europäische Exporteure mit hohen Risiken und zusätzlichen Auflagen verbunden. Alle Unternehmen, die Lebensmittel für den menschlichen oder tierischen Verzehr produzieren, verarbeiten, verpacken und lagern, müssen sich vor Lieferung ihrer Erzeugnisse und Waren in die USA bei der Food & Drug Administration (FDA) registrieren lassen. Bioprodukte benötigen eine eigene Zertifizierung. Da für diese Registrierungen ein US-Agent notwendig ist, unterstützt die österreichische Außenhandelsstelle in New York alle österreichischen Exporteure nicht nur bei der Erfüllung dieser Auflagen, sondern auch bei vielen anderen Fragen (z.B. Etikettierung, Suche nach geeigneten Importeuren, Unterstützung bei der Marktbearbeitung, ....). Primäres Ziel der Außenhandelsstelle in New York ist es, für alle österreichischen Exporteure geeignete, regionale Partner zu finden.
Da eine erhöhte Lebensmittelsicherheit ein aktueller Arbeitsschwerpunkt der US-Regierung ist wird die Food & Drug Administration (FDA) die früher üblichen Kontrollen lebensmittelverarbeitender Betriebe im Ausland, die am US-Markt präsent sind, künftig wieder aufzunehmen.
US-Sicherheitsbestimmungen beim Transport: Auch der Transport von für die USA bestimmten Agrarwaren, Lebensmittel und Getränke unterliegt strengen Bestimmungen und Auflagen: alle europäischen Waren, die in die USA exportiert werden, müssen vor dem Abtransport bei den amerikanischen Behörden vorangemeldet werden. Die damit angestrebte Sicherheit in der Lieferkette wird durch ein Partnerschaftsprogramm der US-Zollbehörde – die Customs-Trade Partnership Against Terrorism (C-TPAT) – bereits erfolgreich umgesetzt. Die heute verpflichtenden Voranmeldungen (meist durch Spediteure bzw. Transporteure) werden – zur Verhinderung weiterer Terroraktivitäten – in nächster Zeit durch zusätzliche Sicherheitsbestimmungen noch verschärft. Unter dem Titel „10+2“ sollen Importeure und Transporteure künftig verpflichtet werden, zusätzliche Datensätze vor dem Verbringen von Fracht auf dem Seeweg in die USA an die US-Zollbehörde zu übermitteln. Künftig wird auch jeder Schiffscontainer, der für die USA bestimmt ist, in den europäischen Abgangshäfen durchleuchtet werden müssen.
Der Lebensmitteleinzelhandel in den USA gilt als größter Einzelhandelsmarkt der Welt. Das europäische Problem einer stetig steigenden Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels trifft die USA weniger stark: der Einzelhandelsmarkt ist dort noch stärker fragmentiert.
Das Konsumverhalten vieler US-Haushalte ist grundsätzlich mit dem österreichischen bzw. europäischem Trend vergleichbar: Die Zahl der Singlehaushalte und die Nachfrage nach einfach und schnell zu konsumierenden „Convenience“-Produkten sowie das Gesundheitsbewusstsein steigen. Außerdem nimmt der Anteil der älteren Generation, die als sehr kaufkräftig gilt, stetig zu.
US-Markt - Exportchancen bestehen: Trotz der genannten Handelseinschränkungen und Unsicherheiten zählt der US-Markt mit 311 Millionen, überwiegend kaufkräftiger US-Konsumentinnen und US-Konsumenten zu einem wichtigen Zukunftsmarkt für viele ausländische Exporteure von Agrarwaren, Lebensmitteln und Getränken. Diesem Markt kann und darf sich auch die österreichische Exportwirtschaft nicht verschließen. Die Chancen für österreichische Exporteure von Agrarerzeugnissen, Lebensmitteln und Getränken sollten daher - trotz mancher Unwägbarkeiten - bei jeder sich bietenden Gelegenheit genützt werden.
 
Ansprechperson im Fachverband der Lebensmittelindustrie:

Josef DOMSCHITZ
Tel.: 01/712 21 21 – 0
e-Mail: fiaa@dielebensmittel.at

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12.07.2011, Lebensministerium III/1